113 die Dritte und Probleme.

02:25 in der dritten Nacht.

Ich werde wach nach 45 min schlafen. Der Wecker klingelt immer nach 45 Minuten, damit ich einen Rundblick mache, auf das AIS schaue, und checke, ob alles in Ordnung ist. Das ist Routine. Manchmal bin ich schneller im Kopf wach und manchmal dauert es ein wenig bis ich meine Gedanken fassen kann. Die Übermüdung macht sich doch breit.

Diesmal bin ich sofort wach.

Wind ist da! Endlich!

Die Genua kann ich setzen. Der Wind kommt genau von hinten. Ich setze die Genua auf der einen und das Groß auf der anderen Seite. Schön, mit einem Bullenstander fest gewinscht. So kann nichts passieren. Wir machen 5,4 kn Fahrt durchs Wasser. Nach 32 Stunden ist endlich kein Brummen vom Dieselmotor mehr zu hören. Klasse.

Ich schaue mich draußen um.

So einen klaren Sternenhimmel habe ich noch nie gesehen. Nichts von dieser einmaligen Szenerie wird durch Dunst oder Schmutz verschleiert. Auf den Wellenkämmen glitzert der Mond und Morian zieht das Meeresleuchten in einem Schweif hinter sich her.

Ich bleibe noch was im Cockpit sitzen und staune…

Nach vielen kleinen Schlafpausen graut der Tag und die Sonne kommt in einem leuchten Gelborange raus. Der Himmel ist blau und einige Schäfchenwolken sind am Firnament.

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Um 11.00 wird der Wind lascher.

Es wird Zeit den Blister zu setzen. Den Blister? Ich alleine. Niemals, habe ich letztes Jahr gesagt, als ich mit Mac mich aufmachte, um nach Irland zu segeln. Dort haben wir ganz enorme Schwierigkeiten gehabt ihn wieder in dien Bergeschlauch zu bekommen. Irgendwas hatte sich verheddert.

Aber den Motor anmachen, ist für mich auch keine Option.

Also ziehe ich ihn durch das Vorluk auf Deck und schäkele ihn an. Dann ziehe ich das ganze Geraffele hoch und an der Leine, um den Bergeschlauch nach oben zu ziehen. Majestätisch öffnet sich der Blister, als der Wind ihn erfasst. Morian macht wieder einen Satz nach vorne..

10 Stunden segeln wir so wie auf Schienen. Die elektr. Selbststeuerung macht das alles prima.

Mal frischt der Wind was auf, mal lässt er wieder etwas nach. Traumsegeln.

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Heute gibt es Süßkartoffeln angebraten mit Gemüse und Käse überbacken.

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Um 21:00 möchte ich den Blister bergen. Durch die Nacht traue ich mich nicht so zu fahren. Der Wind hat etwas zugenommen. So auf 16 kn.

Ich gehe auf Vordeck und möchte den Bergeschlauch runter ziehen. Nichts geht. Hmm und nun? Ich hänge mich an die Leine. Nichts rührt sich. Mist, was mache ich jetzt?

Erst mal in Ruhe überlegen. Wenn ich den Blister jetzt am Fall runterziehe wird er nach vorne ausgeweht werden und ins Wasser fallen, bevor ich es von Hand reingezogen habe.

Also nicht gut.

Was ist, wenn ich den Motor anmache, schön Gas gebe um den scheinbaren Wind zu minimieren. So wird der Gennaker sicherlich nicht so weit nach vorne ausgeweht. Ich schnappe ihn mir dann und ziehe ihn rein. Also Motor an und probieren. Leider funktioniert das auch nicht so. Böen lassen ihn immer wieder weit nach vorne auswehen.

Also Plan C.

Ich fahre unter Motor gegen den Wind. Wenn ich unter Selbststeueranlage schön gegen den Wind fahre, wird ja der Blister auf Deck geweht.. Nur so ganz genau gegen den Wind möchte ich es auch nicht machen. Dann wird der Blister sich sicherlich um das Vorstag wickeln. Also ein paar Grad abfallen. Ich denke mir, dass der Blister dann schräg auf Deck geweht wird.

Ich öffne die Klemme vom Fall. Jetzt wird es tricky. Die Klemme befindet sich unter der Sprayhood und eigentlich müsste ich das Fall langsam fieren und gleichzeitig am Vordeck stehen um den Blister einzusammeln. Ich entscheide mich aber im Mittelcockpit zu bleiben. Denn von dort aus komme ich an das Achter und Unterliek. Hier ist es mir einfach sicherer zu sein. Ich lass das Fall über die Winschtrommel gleiten, damit sie nicht so schnell runterkommt. Der Blister fängt an zu schwingen und fällt ein. Zum Glück weht er nach Steuerbord hinten aus. Ich versuche den Hals zu greifen um dieses 115qm große Biest zu greifen. Es flattert gewaltig und ich denke nur, hoffentlich bleibt es nicht irgendwo hängen und wird zerfetzt. Langsam ziehe ich das Segel an Deck. Jetzt muss ich doch aufs Seitendeck, um dieses riesigen Stoffmonster zu greifen. Fasse ich in der Mitte, weht das Ende wieder aus.. Als der ganze Kram unten war, möchte ich es durch Vorluk in die Vorpiek stauen. Als ich die Hälfte drin hatte, merke ich, dass ich die Schot noch nicht gelöst habe. Also muss ich ins Cockpit die Schot lösen, um das Segel ganz in die Vorpiek zu stopfen. Kaum bin ich an der Schot, wird das leichte Tuch vom Wind erfasst und aus dem Vorluk wieder an Deck geblasen. Ein Teil vom Blister weht direkt ins Wasser. Oha…

Ich renne schnell wieder aufs Seitendeck und erfasse das Segel. Mit all meiner Kraft ziehe ich daran. Da das Segel ungefähr zu einem Drittel im Wasser hängt, ist der Wiederstand ihn an Deck zu zerren immens. Ich bekomme ihn gerade so zu halten, dass das Segel nicht komplett ins Wasser gezogen wird. Mist noch mal Grrrr…..

Mir tun die Arme und die Hände jetzt schon so weh. Meine Muskeln sind kurz vor dem Platzen. Mit all meinen Kräften ziehe ich unter Fluchen am Segel und habe es dann ca. nach 10 Minuten wieder an Deck und danach im Vorschiff.

Als ich unten in der Kajüte bin, lege ich mich erst mal auf die Koje. Schweißgebadet, mit zitterigen Knien liege ich dort und habe unheimliche Muskelschmerzen in den Armen und Schultern. Schlecht ist mir jetzt auch noch geworden…

Nach 5 Minute gehe ich wieder an Deck, stelle den Kurs wieder ein und motore weiter in den Sonnenuntergang.

Ich bin bedient für heute und gehe nach einem Rundumblick in die Koje.

Nach einer dreiviertel Stunde klingelt der Wecker wieder und die Routine geht weiter…

 

313 sm bin ich nun seit Guernsey unterwegs. Noch 150 sm.

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107 die Zweite.

Samstag, der 04.05.2018.

Wir dieseln immer noch. Es ist einfach kein Wind. Die hohe Dünung aus NW lässt Morian heftig rollen. Ich nehme das Großsegel ins zweite Reff um es flacher zu trimmen und um es als Stützsegel zu nehmen. So knallt es nicht so laut, wenn Morian mal wieder heftig von der einen auf die andere Seite rollt. Müde bin ich. Habe mir gerade was zu Essen gemacht. Müsli mit Milch passen schon. Immer wieder setze ich die Genua um dann nach einer halben Stunde doch wieder den Diesel zu starten. Ich werde sicherlich die langsamste Biskaya Überquerung der Geschichte machen.

Gegen 15:00 und nach 130 sm kommt die Ile d Quessant in Sicht. Zwischen Verkehrstrennungsgebiet und der Insel werde ich meinen Kurs nach Süden setzen um in die Biskaya einzufahren. Klasse, dass meine Rechnung aufgegangen ist und ich hier Mitstrom habe.

Als ich die Küste und die Leuchttürme sehe fällt mir erst richtig auf, wie hoch die Dünung steht. Immer wieder versperren mir die Wellenberge die Sicht auf die Insel.

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Hier an Bord ist alles gut. Wenn ich Lust habe, mache ich mir was zu Essen. Diesmal Reis mit Gemüse und ein wenig Hähnchenfleisch. Ich bin einfach im Hier und Jetzt. Mache mir keine Sorgen und leben den Moment. Morian gibt mir so ein Gefühl von Sicherheit. Ich schaue auf die Wellen, nicke immer mal wieder ein, staune über die Farben am Abend und diese unwahrscheinliche Klarheit hier auf See. Die Dämmerung bricht ein, mein AIS fängt an zu schreien und schon sehe ich ein Schiff achteraus kommend , der mich dann überholt.

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Hier Draußen ist sonst nicht viel los.

200 sm haben wir jetzt im Kielwasser von Guernsey aus.

Die zweite Nacht fängt an…

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93 die Erste.

10:00. Die erste Nacht ihr rum. 93 sm habe ich hinter mir. Ich habe viel geschlafen. Vielleicht zu viel? 12 Stunden sind zusammen gekommen. Immer jede Stunde unterbrochen, um nach den Rechten zu sehen. Müde bin ich trotzdem. Hier ist nichts los. 2 mal ging nur der Alarm vom AIS los. Sonst ist hier nur Dunkelheit. Mein Ais auf dem I Pad ist richtig klasse. Hätte ich mir mal früher kaufen sollen.

Es ist immer noch kein Wind. Seit Donnerstag um 17:00 lärmt der Diesel. Grau in Grau zeigt sich die See.

Es ist furchtbar Kalt Nachts. Ich habe alles was ich besitze an. Ist einfach zu früh in diesem Jahr.

Alle gut an Bord.

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Glücklich!

Für Papa

Es geht los. Das Meer empfängt mich mit einem intensiven Türkisblau. Das Wetter kann nicht besser sein. Die Sonne scheint und es sind 14 Grad.

Am St Martins Point wechsele ich meinen Kurs auf 245 grad um im 114 sm die ISLE QUESSANT zu erreichen, von wo ich  dann nach Süden über  die Biskaya gehe. Ab hier merke ich auch wie die Dünung immer höher wird. Das fühlt sich gut an.

Über den Tag versuche ich viel zu schlafen. Schiffe sind hier keine. Mein Ais Alarm ist eingeschaltet. Jetzt fängt die Bordroutiene an…

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Papa, du bist die ganze Zeit dabei…

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Morgen geht es über die Biskaya.

Ich mache mich mal los für die nächsten 466sm.IMG_7392

In den letzten Tagen habe ich nur noch Wetterkarten studiert. Jetzt kommt ein Wetterfenster der passt. Fast jedenfalls. Der starke Wind hat heute Nachmittag nachgelassen und ab Morgen gibt es für die nächsten Tage Schwachwind.Der Wind dreht auf NW. und wird so zwischen 2 und 3 Bfo. wehen. Manchmal auch noch weniger.

Soll ich jetzt fahren oder doch noch warten bis mehr Wind kommt?

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Nein ich will los. Die Chance sollte ich nutzen. Es soll für die nächsten Tage kein SW Wind geben. Klasse. Ich muss einfach los. Die besten Bedingungen kann ich mir sowieso nicht aussuchen.

Getankt habe ich. Der Dieseltank ist mit 200 Litern voll. 90 Liter habe ich noch in Tanks als Reserve dabei. Ich rechne mit 3 Liter in der Stunde an Verbrauch. So kann ich 96 Std. Motoren wenn es ganz schlecht läuft. Im Schnitt mache ich 4 kn über Grund unter Motor. Also reicht es für 384 sm. Ich habe zu meinen Ungunsten gerechnet und Sicherheit eingerechnet. Theoretisch schaffe ich die gesamte Strecke unter Motor. Aber wer will das schon.

Morian habe ich durchgecheckt. Alle Spanner vom Rigg habe ich geprüft. Alle Splinte kontrolliert. Den Seezaun gecheckt. Motorölstand ist ok. Kühlwasser ist ok. Eine Menge Reservefilter und Motoröl habe ich dabei. Seenotraketen sind da, Lifebelt und Leinen sind geprüft. Die Epirb ist einsatzbereit. Ais habe ich auf meinem Plotter und auf meinem I Pad.

Meine Seekoje habe ich gebaut. Schön, dass Morian solch eine Vorrichtung mit Brett hat.

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Ich werde direkt die 466sm von Guensey nach A Coruna segeln. Als Sicherheit kann ich noch in Roscoff oder in der Südbucht von den Quessants an eine Mooring gehen. Da segele ich auch noch dicht am Festland vorbei und bekomme dann Handyempfang um den neusten Wetterbericht zu bekommen.

Von Donnertag bis Montag dauert die Überfahrt. Mal sehen wie ich diese 4 Nächte durchstehe. Es ist für mich das erste mal über die Biskaya.

Ich freue mich.

 

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2.029.783,00 Pfund

Ja, so viel kostet die Sunseeker Manhattan 66. Eine fast 21 Meter lange Motorjacht der Superlative. Sie steht hier in der Marina. Es ist eine kleine Messe hier. Ich schau sie mir mal an und bin erstaunt, aber irgendwie nicht begeistert. Liegt es daran, dass es eine Motoryacht ist? Ich glaube nicht. Es ist das Design und auch der Name ist Programm. Ein Hochhaus der Meere. Ich fühle mich einfach nicht wohl auf dem Schiff was so unfassbar viel Geld kostet. Die Wertigkeit spüre ich einfach nicht. Klar ist sie sehr gut ausgebaut, Spaltmaße sucht man vergeblich. Aber irgendwie fühlt sich hier alles synthetisch an. Es kommt bei mir kein Bootsfeeling auf. Ich fühle mich wie in einem Hotel weit ab vom Wasser. Obwohl es hier viele Panoramafenster gibt, die den Blick aus Wasser zulässt.

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550 sm Reichweite… Das ist nicht viel mit einer Tankfüllung. Und ich schätze der Tank ist gigantisch groß. Ich mit meinen 200 Litern im Haupttank und 90 Liter in Kanistern komme auch fast so weit. 32 Knoten Topspeed ist auch nicht so meine Sache. Da fallen die Dollarscheine nur so aus dem Auspuff und meine Frisur wird ruiniert. ;-).

Drinnen sieht es gediegen aus. Aber wohlfühlen tue ich mich hier einfach nicht.

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IMG_0563Ich war noch nie auf solch einem großen Schiff. Man kann da mal drauf, muss aber nicht. Ich bin und bleibe ein alter Segler…

Ach ja, das ist übrigens nur meine Meinung…

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St. Peter Port, Guernsey.

St. Peter Port auf Guernsey ist die Hauptstadt der Insel. Dort ist auch der Haupthafen mit seinem Terminal für große Schiffe sowie die Fischei angesiedelt. Von hier aus verkehren Fähren zwischen den Kanalinseln. Du hast alle Versorgung für die Yacht. Steuerfreier roter Diesel für heute umgerechnet 0,70€ der Liter. mehrere Yachtausrüster, die wirklich gut Ausgerüstet sind, Segelmacher und natürlich auch Mechaniker.

Die Stadt gefällt. Vor allen Dingen den einkaufswütigen Menschen. Zahlreiche Geschäfte mit Schmuck und Uhren, Swarovsky, Rolex und alle anderen Mögliche Inn Namen gibt es hier. Ich leiste mir ein Tee und Croissant…

Der Blick ist unbezahlbar.

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Morian liegt mitten in der Stadt. Eine vielbefahrene Strasse führt direkt am Hafen vorbei. Der Supermarkt ist nur 3 Min zu Fuss erreichbar. Die Bushaltestelle ist direkt am Hafen. Hier lässt es sich aushalten.

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IMG_0536-BearbeitetVorsicht, erst nach links, dann nach rechts schauen steht auf großen Lettern am Fussübergang in die Stadt. Ich mag die Architektur hier. Der Postkasten ist hier Blau anstatt Rot, wie es sonst überall in GB ist. Auch haben sie hier ihre eigene Währung. Immer schön alles ausgeben hier. Händler nehmen den Guernsey Pfund ausserhalb von Guernsey nicht an. Nur die Banken tauschen das Geld noch.IMG_0530

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Eine Burg darf hier natürlich auch nicht fehlen. Bitte sehr…

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Viel mache ich hier eigentlich nicht. Es gefällt mir in der näheren Umgebung. Ich mag die Hafenatmosphäre, Wasche Wäsche, kümmere mich um Morian, fahre Tanken, was nur bei Hochwasser geht und bereite alles vor für den großen Sprung. Bloß wohin weiss ich noch nicht.

Erst mal kommt noch was ganz Großes. So Schiffstechnisch.

Das ist aber eine andere Geschichte…

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