Meine Segel-Vita.

Viele fragen mich, wie ich denn zum Segeln gekommen bin und warum meine liebe zur See so groß ist.

Hier ist meine Geschichte.

Dies ist mein erstes Boot. Ich bin 2 Jahre alt und wachse in Kuala Lumpur auf.

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Meine liebe zur See wurde sicherlich im Alter von 6 Jahren erweckt. Und da hat mein lieber Vater sicherlich den größten Anteil dran.

Wir leben in Südost Asien.

Um nach Deutschland zu kommen, haben meine Eltern die glorreiche Idee, uns ganz langsam in das “ziviliesierte “Deutschland zu bringen.

Nichts liegt näher, als von Kuala Lumpur aus nach Bombay zu fliegen. Dann sind wir mit dem Passagierschiff  MS Asia, einem 158 Meter langen und 11,693 BRT schweren Schiff  von Bombay nach Venedig gefahren. Da 1970 der Suezkanal wegen des ägibtisch-israelischen Krieges gesperrt ist, mussten wir die lange Route über Süd Afrika nehmen. 6 Wochen dauerte die Schiffsreise.

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Im Indischen Ozean habe ich meine Freundschaft mit Neptun geschlossen. Es ist das erste mal, dass ich den Äquator überquere und getauft werde. Eine zweite Taufe folgte im Atlantik. Wir fahren über Mombasa, Durban, Kapstadt, Las Palmas, Barcelona, Bari nach Venedig. Schwere Monsunstürme haben im Indischen Ozean mein Gleichgewichtssinn getestet. Mein Vater erzählt mir, dass ich immer an der Reling stand, mit stoischem Blick aufs Meer. Ich weiß das Gefühl bis heute noch. Immer noch kann ich ohne Unterbrechung stundenlang auf das Meer schauen, während mein Segelboot von der Selbssteueranlage  geführt, die Wellen kreuzt.

Mit 11 fing ich das segeln in Zeeland im Süden von Holland an. Auf der Jolle Kolibri von Axel, den ich dort kennengelernt habe. Er war ein paar Jahre älter und besaß diese kanariengelbe Jolle. Da ich noch nie meinen Fuß auf einem Segelboot gestellt habe, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, fragte diesen fremden Jungen, ob ich sein Boot putzen könne. Axel ist ja schlau und winkte mich an Bord. Ich stand zum ersten mal in meinem Leben auf einem Segelboot. Also kam ich jeden Tag wieder um zu putzen. Nach ein paar Tagen fragte er mich, ob ich nicht mal mitsegeln wollte.

Und was soll ich sagen…. Ja, dass war es!

Wir sind heute immer noch Freunde.

Mit 12 verschlang ich die Bücher von Montessier, Rollo Gebhard und Wilfried Erdmann. Daher kommt auch meine große liebe zum Einhandsegeln. Reisen mit einem Segelboot, fremde Länder besuchen, dein Zuhause immer dabei zu haben. Ja genau das war es für mich.

Als ich mit 12 meine eigene Achat Jolle bekam , fuhr ich oft alleine mit ihr los. Das segeln war für mich kein Problem Nur alleine die schwere Jolle auf der Slipbahn rein und raus zu ziehen viel mir sehr schwer. Mir fehlt einfach noch die Kraft.

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Aber auch die vielen Segelstunden mit meinem Vater gemeinsam werde ich nie vergessen. Er an der Pinne, ich im Trapez unter Gleitfahrt im Verse Meer rauf und runter. Danke Papa.

Mit 16 machte ich meinen Sportbootschein Küste und segelte mit meinem Pa und unserer Hurly 700 auf der Osterschelde und an der Belgischen Küste.

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Mit 16 erlaubten meine Eltern mir schon alleine auf Tramptour zu gehen. Ab dieser Zeit bin ich viel durch die Welt getrampt und habe längere Fahrradtouren unternommen. Eine Fahrradtour von Bonn mach Tessaloniki werde ich dabei nie vergessen.  Dabei war immer das Meer mein Ziel.

Mit 22  war mein drang zur See wieder so groß,  dass es mich wieder ans Meer trieb.

Dann kam meine geliebte Sadler 29 “Tramp“ in mein Leben. Meine Törns wurden immer länger

Eine wunderbare englische Kielyacht von 8,68 m. Mit ihr machte ich zahlreiche Törns nach England, Frankreich, Helgoland. Manchmal Einhand, manchmal mit Pa, Freundin oder Freunden.

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Ein wunderbarer Törn von Zeeland nach Finnland und über Ostdeutschland zurück nach Holland war bis dahin meine größte Herausforderung.  Dies war ein Jahr nach dem Mauerfall. Alles ohne GPS und den anderen elektronischen Dingen. Eine wilde Zeit.

Dann kam das Alter wo ich viel Arbeiten musste. Über Jahre habe ich mir selber nur eine Woche Urlaub gegönnt. Gesegelt wurde nur noch an Wochenenden. Aber ich bin wirklich jedes Wochenende zum Boot gefahren. Mein Tankwart wird diese Zeit nie vergessen.

Jetzt möchte ich mich wieder vergrößern.

Die wunderbare Reinke Taranga“ Leviathan“ kommt in mein Leben.

12 Jahre bin ich mit ihr gesegelt. Eine tolle Zeit. Sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Törns bis nach Dartmouth und an der englischen Ostküste habe ich damit unternommen. Längere Törns schaffe ich Zeitlich leider nicht.

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Weniger ist MEER!

Mit 49 habe ich es endlich verstanden!

Ich vergrößere mich noch mal. Die 11,75 Meter lange Westerly Sealord kommt in mein Segelleben.

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Ich refitte sie so, wie meine Geldbörse es her gibt. Also nur in kleinen Schritten. Nach 3 Jahren wird die Wohnung aufgelöst und mit einem Gefühl von Glücklich sein ziehe ich auf die “Morian“. Ich habe jetzt mehr Zeit aber auch weniger Geld. Zum Glück kann ich auch vom Boot aus arbeiten. Eine Kombination, die es mir jetzt möglich macht, endlich auch längere Törns zu segeln.

Törns, zu den Kanal Inseln, Scilly Islands, Irland oder über die Biskaya nach Nordspanien und zurück geben mir tiefe Befriedigung in meinem dasein…

Ich fange an einen Blog für meinen Vater zu schreiben. Sein Alter zwingt ihn dazu nicht mehr aufs Boot zu können. Und sein Sohn schwirrt ja auch immer in der Weltgeschichte herum. Dieser wurde dann zu einem Tagebuch für mich und meinen Freunden, da sie mich ja selten sehen.

Alles Nachzulesen auf meinem Blog;

http://www.morianblog.wordpress.com

 

 

3 Kommentare zu „Meine Segel-Vita.

  1. Hallo Dirk, dies ist eine wunderschöne, spannende Geschichte, die ich mit Interessse gelesen habe. Ich ‚kenne‘ (wenn man das so sagen kann) Dich erst seit Taranga-Zeiten. Treffen auf dem Archipel und mal auf einen Tee in Brouwershaven. Da wir der gleiche Jahrgang sind, kann ich Deine Entscheidung für weniger Geld und mehr Leben sehr gut nachvollziehen und nur sagen: Alles richtig gemacht! Wenn einem der Beruf die Möglichkeit gibt, dann sollte man es tun. Leider klappt das bei mir nicht in gleichem Maße, aber dafür habe ich durch verschiedene Auszeiten ebenfalls viel von der Welt sehen dürfen. Ich wünsche Dir viele weitere, hoffentlich halbwegs unbeschwerte Jahre auf und mit Deiner Westerly. Tolle Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen.

    Gruß, Bernhard 🙂

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