Streik, Holperstrecke und auf nach Guernsey

Nach 5 Tagen bin ich wieder zurück in Cherbourg. Fotoaufträge haben mich schnell nach Deutschland geholt. Mit dem Zug ist das kein Problem. Fast kein Problem. Die Züge werden bestreikt in Frankreich. Nicht alle. Aber welche nicht?…

In Cherbourg kaufe ich mir eine hin und zurücktfahrt nach Köln. Einmal muss ich in Paris umsteigen. 330€ bezahle ich dafür.

Nach Köln gibt es keine Probleme. Der Thalys ist sehr gut mit gutem freien Internet und freundlichen Schaffnern.

Am Freitag geht es wieder zurück zur Morian, die ich in Cherbourg liegen lasse. Für eine Woche Liegeplatz muss ich nur 5 Tage bezahlen. 164€ sind das.

Am Donnerstag Abend bekomme ich eine Mail, dass am Freitag der Zug von Paris nach Cherbourg ausfällt. Na Klasse…

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Freitag um 8:40 steige ich in den Zug und fahre erst mal nach Paris. In Paris angekommen versuche ich einen anderen Zug zu bekommen. Mein Ticket kann ich anstandslos umtauschen. 2 Mal muss ich jetzt umsteigen und nach 11 Stunden bin ich in endlich wieder auf der Morian. In der Zugfahrt habe ich mich mit dem Wetter und den Tiden beschäftigt. Schlechtes Wetter mit viel Wind ist angesagt. Schlechtes Wetter? Nein, nicht ganz. Morgen gibt es ein Wetterfenster. Erst am Abend soll der Wind auf Nw6 Bfo. hochgehen mit Böen bis 8 Bfo. Eigentlich wollte ich noch mal nach Alderney segeln, da übernachten und am nächsten Tag weiter nach Guernsey segeln. Jetzt entschliesse ich mich direkt nach Guernsey zu segeln. 45 Sm sind das. Gut zu schaffen. Wenn ich es nicht mache, hänge ich noch mehrere Tage in Cherbourg, was ich ja schon kenne.

Gut, dass Morian fertig ist. So kann ich am nächsten Morgen um 10 Uhr los. Ich muss warten bis die Strömung mich nach Westen bringt. Deshalb erst um 10 Uhr. Guernsey hat einen Hafen, die Victoria Marina in St. Peter Port. Vor der Marina im Vorhafen gibt es auch noch einige Wartestege, wo man festmachen kann. Auch für mehrere Nächte.

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Ich möchte aber nach innen, wo Morian besser geschützt ist vor dem starken Wind. Um in den Hafen zu kommen muss man einen Drempel überqueren, der das Wasser bei Ebbe im Hafenbecken lässt. Nur 3 Stunden vor und nach Hochwasser darf man in den Hafenfahren. Die Zeit ist natürlich abhängig vom Tiefgang des Bootes. Ich mit meinen 180 cm muss so gegen 17:00 da sein.

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Kurz vor dem Cap de la Hague fangen die Races an. Durch die harte Strömungen hier ist das Wasser sehr konfus und kabbelig. Strudel entstehen hier und die Strömung reicht bis zu 7 kn an Geschwindigkeit. Ich bin mal wieder sehr beeindruckt hier zu sein. Wir haben nur 4 kn Wind ausW. Seht selbst was passiert.

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Ich werde ganz schön durchgeschüttelt. Dei viel Wind möchte ich hier nicht sein. Aber so ist es alles kein Problem. Ich werde bis zu 10 Kn über Grund gespült. Da werde ich aber viel zu früh ankommen denke ich. Natürlich kann ich am Wartesteg vor der Victoria Marina warten. Ich aber nehme gGas weg und Motor ganz langsam weiter. Kurz bevor ich den Hafen erreiche rufe ich den Hafenmeister an. Seine erste Frage ist die nach meinem Tiefgang. Ich sage ihm 180cm. Ok meint er. ich hole dich ab.

Der freundlichste Hafenmeister kommt mit seinem Boot vorbei und überreicht mir erst mal die Einklarierungspapiere. Dann soll ich ihn folgen und er weist mir an einem Längssteiger einen Platz zu. Rückwärts fahre ich in die Gasse und er hilft mir noch beim festmache. Ein paar Brocken Deutsch fallen ihm ein und er meinte zu mir: Gut gemacht.

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Morgen gehe ich mal in die Stadt….

 

Gedanken…Live…

Alderny Race.
Bin gerade zwischen Alderny und Festland.
Kein Wind auf einmal. Motore mit 1400 Umdrehungen und mache trotzdem 7,5 kn durchs Wasser.
Bin begeistert was mir das Meer erzählt. Ich komme mir vor wie auf dem Mond. Erst ist die Oberfläche glatt um dann sich sofort wieder zu kräuseln. Wie Spiegeleier sehen die Strudel auf der Oberfläche aus, um sich dann in ein glitzerndes Chaos  von Wassermolekülen zu verwandeln. Auf einmal Wellen aus allen Richtungen. Dann ist es Glatt wie auf einem Spiegel. Ich fühle mich wohl.
Das ist nicht das erste mal, dass ich hier bin, aber es ist so intensiv….5EFA9AAB-1128-48D2-8B8C-628E80E4BCB7

Schaukeliges Alderney

Ich möchte ein paar Tage auf Alderney verbringen.

Von Cherbourg aus sind es ca. 25 Sm bis nach Alderney. Wenn man die Gezeiten richtig berechnet sind es ca. 3,5 Stunden bis dort hin. Der Gezeitensrom ist am Cap de la Hague beträchtlich und strömt bis zu 7 kn zwischen Alderney und dem Festland durch. Ich muss bis zu 70 Grad vorhalten um nach Alderney zu gelangen. Besser wäre es auf Stillwasser zu warten, was ich aber nicht getan habe. Ich wollte diesen Gezeitenstrom nochmal Erleben.IMG_0203

Alderney Insel hat keinen Marina. In einer Bucht auf der nördlichen Seite der Insel wurde eine gigantische mehr als einen Kilometer lange Mauer gebaut, die die Bucht vor Stürmen aus NW abhalten soll. Besucher können an Moorings festmachen, die auf der inneren Seite der Mole zur Bucht hin ausgebracht sind. In diversen Revierführern wird immer vor starkem Schwell gewarnt. Dies ist Braye Harbour. Es gibt ausreichende Versorgung , Duschen, eine Tankstelle mit Taxfreien Diesel, Chandler und einen Supermarkt direkt in der Nähe vom Hafen. Wer kein Dingy hat, kann für 2 Pfund pro Tour mit den Wassertaxi abgeholt werden. Da ich Marinas sowieso nicht so mag ist das genau das Richtige für mich.

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Ohne Probleme lege ich an einer Mooringboje an. 5 Min. später kommt ein Schlauchboot auf mich zu. Einklarierungspapiere und die Telefonnummer vom Taxiboot wurde mir gegeben. Da es schon spät war bleibe ich an Bord und gehe früh in die Koje.

An schlafen ist in der Nacht war nicht zu denken. Es wurde immer windiger und Morian rollte so sehr hin und her. Wellen klatschten immer wieder ans Heck. Bisher war ich immer bei Flaute oder sehr wenig Wind auf Alderney gewesen. So was habe ich hier noch nie erlebt. Es soll die ganzen 3 Tage hier auf der Insel mir so ergehen. Ich habe es ja nicht anders gewollt…

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Am nächsten Morgen rufe ich das Taxiboot und setze rüber auf die Insel. Die Sonne scheint, der blaue Himmel erfreut meinen Augen und es ist endlich mal fast warm…

Da wir jetzt Flut haben sehe ich von Land aus, wie gigantische Wellen auf die Außenseite der Mole klatschen, mit einem lauten Donnern bis zu 35 Meter hoch über die Mauer spritzen. Morian liegt aber hinter der Mauer geschützt. Jetzt sehe ich auch wie Morian immer wieder auf die Seite rollt und vor der Mooring stampft.

Ich setze mich auf eine Terasse und bestelle mir etwas zu trinken. Von hier aus kann man das Schauspiel wunderbar beobachten.

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Alderny mag ich sehr gerne. Jetzt im April ist noch nichts los. Morian und eine zweite Yacht sind nur zu besuch hier. Die anderen sind Locals. Im Sommer ist es hier übwevoll. Es ist schwierig eine freie Mooring zu ergattern. Dann kann man aber auch in der Bucht auf Sandgrund Ankern. Alderney sollte man sich erwandern. Die Stadt, liegt auf einem Hügel den man Fußläufig in einer halben Stunde erreicht. Immer Bergauf an der Hauptstrasse gibt es zahlreiche Geschäfte, Pubs, eine Bank und Lokale. Alles hat den Charme längst vergangender Zeiten. Jeder grüßt jeden mit Vornamen auf der Straße und ich werde auch von jedem den ich treffe gegrüßt. Das gefällt mir.

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Ich bleibe noch…

 

 

Saint-Vaast-La-Hougue

Mir ist heute nach Schwarzweiß.

66 Seemeilen sind es von Fecamp nach Saint Vaast. 13 Stunden habe ich dafür gebraucht. Und das alles im Nebel und Null Wind. Der Diesel musste also ran. Saint Vaast hat einen Hafen, den man nur 2 Stunden vor und 3 Stunden nach Hochwasser anlaufen kann. In der übrigen Zeit fällt der Meeresboden trocken und der Hafen wird nur über eine Schleuse vor dem Auslaufen des Wassers im Hafen gehindert. Der Tidenhub ist hier beträchtlich. Wenn das Wasser weg ist, sieht man die ausgedehnten Muschelbänke vor der Küstenlinie. Ich habe ausgerechnet, dass ich um 7:00 auslaufen muss um dann gegen 20:00 also 2 Stunden vor Hochwasser in Saint Vaast anzukommen. Ich laufe gerne bei auflaufenden Wasser ein, denn wenn ich irgendwo aufsetze oder hängen bleibe, brauche ich nur ab zu warten bis die Flut mich wieder aufschwimmen lässt. Wenn man nach Hochwasser aufläuft ist es Blöde. Dann muss man lange warten bis man wieder aufschwimmt und frei kommt.

Bei der Fahrt bin ich immer wieder angespannt. Mein AIS zeigt mir die umherfahrenden Fischer. Im dichten Nebel sehe ich sie gar nicht. Auch wenn sie nur 100 Meter von mir entfernt sind. So sagt es jedenfalls mein AIS. Nur ihre Motoren höre ich. Sehen tue ich sie kein einziges mal. Das ist immer wieder ein mulmiges Gefühl. Aber so ist es nun mal im Nebel. Angestrengt schaue ich in diese milchige Suppe bis meine Augen weh tun. Auch die Fischerbojen, die hier überall ausliegen lassen mich nicht zu Ruhe kommen. Wie aus dem Nichts sind sie da und mehrere Male Fahre ich nur cm dran vorbei. Das macht das Alleinsegeln schon ganz schön anstrengend.

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Endlich kommt die Ansteuerung von Saint Vaast. Nur schön die Gefahrentonnen finden, die hier die Flachs bezeichnen.

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Dahinter nach steuerbord einbiegen und ab auf das Ende der Hafenmauer zufahren. Bei Ebbe kann ich hier überall stehen.

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Kaum fahre ich durch die Hafeneinfahrt lichtet sich der Nebel wieder. Hmm, das hätte ich ja auch einfacher haben können. An den Pontons B,C und E darf man an Fingerstegen festmachen. Hier ist Platz im Überfluss. Bin mal wieder die einzige Besucherjacht wie schon bei den ganzen Törn.

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40€ bezahle ich für die Nacht bei 11,75 m und einer Person. Puhhh…

Saint Vaast ist eine Hochburg der Austernfischer und anderen Fischspezialitäten. Ich freue mich drauf.

Am nächsten Tag ist es noch Nebeliger. Ich schlendere rum und sehe nur noch in Grautönen…Rechts auf dem Bild sind die Schleusentore.

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Das wird heute nichts mehr mit bunt… 🙂

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Cap Blanc Nez

Gedanken…

Das ist mein Blogeintrag direkt von der Morian am Cap Blanc Nez.

Immer wenn ich hier am Cap Blanc Nez vorbeikomme Richtung SW, bekomme ich das Gefühl endlich unterwegs zu sein. Ein paar Sm westlich von Calais sieht die Welt ganz anders aus. Das braune Wasser der Nordsee weicht einem schönen Blau. Irgendwie riecht es hier nach  „noch Meer“. Die Öde Landschaft von Belgien mit den Kilometerlangen Sandstränden und der furchtbaren Bebauung, weicht einem sanften Ansteigen der Küstenlinie mit viel Grün, das dann in Kreidefelsen endet. Endlich können sich mein Auge wieder an etwas festbeißen. In der Ferne sehe ich schon Cap Gris Nez, von wo ich meinen Kurs auf 180 Grad ändere,um nach Boulogne zu segeln. Die 60 sm von Nieuwpoort vergehen wie im Flug. Ich fühle mich wohl…

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Ich komme weiter!

Was für ein Tag.

Heute Morgen um 9 gehe ich zum Ship Support in Niewpoort. Volkmar und Frank haben mir den Empfohlen. Mein Freund Frank kennt hier einige Leute. Nach ein paar Telefonate sagt er mir, dass ich mit Sabine vom Ship Support sprechen soll, um die Reparatur machen zu lassen. Mit Volkmar habe ich ja gestern das Getriebe ausbauen können. Das hilft mir sehr, die Kosten klein zu halten. Denn der Ein und Ausbau kostet wirklich Zeit. Danke Volkmar! :-).

Mit dem Getriebe in der Hand komme ich zu Sabine. Ich schildere ihr mein Problem und ein Mitarbeiter wird hinzugerufen, sodass wir das Problem durchsprechen können.

Neue Lager müssen rein.

Wann kannst du das fertig haben?

Ende der Woche!

Oh.

Ende der Woche? Das dauert aber lange…Ich bin auf der Durchfahrt Richtung Spanien.

Ahhh, ich schaue mal. Wir haben viel zu tun.

Oha denke ich mir…

Heute Abend kannst du es abholen!

Ich fange an zu Lächeln und sage ihm, dass er einen glücklichen Mann aus mir macht.

Danke, ganz lieben Dank.

Um 15 Uhr kommt der Anruf, dass alles fertig ist. Ich eile zum Ship Support und sehe, wie sie 2 neue Lager eingebaut haben. Alle läuft nun wie geschmiert.

367€ wechseln den Besitzer. Er sagte mir, dass die Lager leider sehr teuer sind. Es sind Zoll Lager und keine DIN Lager. Ich bin trotzdem froh, dass alles so schnell geklappt hat.

Jetzt geht es zum Einbau. 4,5 Stunden brauche ich dafür. Ein Klemmkeil verliere ich in der Motorbilde. Ich finde sie einfach nicht wieder. Also gehe ich nochmal zum Ship Support und möchte eine Neue. Natürlich ist keine passende da. Sofort nimmt ein Mitarbeiter ein größere und feilt sie mir sofort zurecht. Das ist Service! Unter Verrenkungen, Flüchen, Muttern, die immer wieder in die Motorbilde fallen und mit der Taschenlampe suchend, wird es ein kurzweiliger Nachmittag. Dann muss auch noch die elektrische Selbsteueranlage neu einjustiert werden. Ganz zum Schluss wird die Backskiste wieder eingeräumt. Ich musste sie komplett ausräumen um an die Schrauben im Motorraum zu kommen…

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Den Laden Ship Support in Nieuwpoort kann ich wirklich weiter empfehlen!

Morgen früh um 8 möchte ich weiter. Richtung Boulogne soll es gehen. Der NE Wind soll noch einpaar Tage bleiben. Das muss ich ausnutzen.Das ist aber eine andere Geschichte.

Ganz lieben Dank an Volkmar und Frank!!!