Mörder Ahoi…

St. Marves und Mrs. Marple

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Da es auf unserer Tour manchmal kein Internet gibt, werde ich jetzt erst mal ein wenig zurückblicken, um dann noch die restlichen Tage hier zu Posten.

 

In der riesigen Bucht von Falmouth gibt es einen kleinen Ort der St. Mawes heißt.

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Guido, der ein großer Mrs. Marple Fan ist, wird schon ganz hibbelig, als wir die Fähre dorthin betreten. Also nichts wie los. Durch die Bucht von Falmouth sind wir in ca. 15 Minuten dort.

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Schau mal Dirk, da im Hotel auf der Terasse stand im Film „Mörder Ahoi“ Mr. Stringer und hat Mrs. Marple, die auf dem Schiff vor St. Mawes ankerte, Morsezeichen gesendet!

Alles sieht noch so aus wie im Film von 1964.

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St Mawes ist schön. Es gibt einen kleinen Kai, wo die Fähre anlegt. Schöne alte Häuser und mehrere Hotels sind an der Seafront. Wenn man die Straße weiter hoch läuft findet man Prachtvillen von sehr reichen Engländern. Roger Waters von Pink Floyd soll hier auch ein Haus haben.

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Vor St Maves gibt es auch Mooringbojen für Gastyachten. Beim nächsten mal werde ich hier sicherlich mit der Morian an der Mooring liegen und mir vorstellen, wie Mr. Stringer mir Morsezeichen zu schickt…

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Das Hauptruder verklemmt…

Um 7 Uhr Local Time machen wir die Moorigleine los und segeln Richtung Dartmouth. Noch können wir nicht wissen, dass wir dort Notgedrungen eine längere Zeit verweilen müssen. Die Fahrt verläuft ohne Probleme und wir haben mal wieder eine Delfinsichtung. Auf dieser Fahrt ist das jetzt schon das vierte Mal, dass wir diese wundervollen Tiere sehen.

Diesmal wollen wir in den River Dart und vorbei an Dartmouth den Fluss weiter rauf segeln. Dort soll es wunderbare Plätze geben mit Mooringbojen direkt am Waldrand.

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Kurz vor Dittisham, wo der Fluss eine Biegung nach Steuerbord macht, und an dieser Stelle am schmalsten ist ,sehen wir eine freie Boje direkt am Wald. Also nichts wie hin.

Knack….. macht es auf einmal. Ich stehe am Ruder und bin erstaunt von diesem Geräusch, der aus der Steuersäule kommt. Ich spüre einen Wiederstand, kann aber das Ruder noch mit erhöhter Kraftanstrengung weiter drehen und Morian an die Boje bringen. Mac fädelt die Leine in den Ring und nach 13 Stunden liegen wir ruhig an der Mooring. Die Landschaft ist wunderschön aber jetzt wird erst mal das Ruder untersucht. Ich drehe das Ruder nach Backbord weiter und bleibe bei 20 Grad stehen. Irgendwas blockiert das Ruder. Ich drehe es nach Steuerbord bis in den Anschlag. Jetzt wieder nach Backbord und es blockiert schon bei 5 Grad. Hmm, haben wir was im Ruderblatt hängen? Wir schauen nach und finden nichts. Aus der Steuersäule hören wir schabende Geräusche wenn wir das Rad drehen. Also muss es von der Steuerung und den Kegelrädern an der Steuersäule kommen. Wir schrauben den Deckel der Withlock Mamba Steuerung ab und sehen, dass alles in Ordnung ist. Mist, es muss dann wohl an den Umlenkgetrieben der Anlage kommen.

Die Mamba Steuerung hat Stangen, die mit Umlenkgetriebe und Kardangelenken vom Steuerrad bis auf den Ruderquadranten geführt werden. Bei einer Center Cockpit Yacht ist die führung des Gestänges komplizierter als bei einer Yacht mit Achter Cockpi,t weil ja hinten noch eine Kabine ist.

Also gehen wir jetzt auf Fehlersuche. Das ist leider nicht ganz so einfach. lch baue das halbe Schiff auseinander um an die Gestänge und die beiden Getriebe zu gelangen. Erst hänge ich im Motorraum direkt unter der Steuerung. Mac dreht am Rad und ich versuche herauszufinden wo das Geräusch her kommt. Durch die Metallstangen werden natürlich die Geräusche leider auch überall hin verteilt. Verflucht noch mal. Wo kommt denn nun endlich das Geräusch her….

Endlich sind wir uns sicher, dass das Geräusch aus dem zweiten Getriebe unterhalb der Steuersäule kommt. Hier wird das Gestänge um 90 Grad um geführt um nach Achtern auf den Quadranten zu kommen.

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Wie komme ich jetzt an das Getriebe um es auseinander zu bauen. Es ist versteckt im Motorraum eingebaut mit Bolzen, deren Muttern unter dem Bodenbrett der riesigen Backskiste angeschraubt ist. Und genau da, wo die Muttern sitzen ist mein Boiler drauf gesetzt. Da drüber läuft noch ein Heizungsluftschlauch und dazwischen der Schlauch der Lenzpumpe… OHA… Wir vertagen das ganze auf Morgen…

In der Nacht mache ich mir schon mal ein paar Gedanken wie wir das Getriebe ausbauen können.

Der Morgen ist wunderschön. Uns wird jetzt erst richtig bewusst an was für einen schönen Ort wir sind. Wie im Urwald sieht es hier aus. Jurassic Park lässt grüßen. Dichter Wald, leuchtend Grün umgibt uns. Bei Ebbe sehen wir die Hochwasserkante und wie sich die alten Wurzeln der Bäume langsam ans Wasser getastet haben. Flussreiher stehen hier und aus dem Wald ertönen die schönsten Vogelstimmen. Den Fluss rauf sehen wir die Bunten Häuser von Dittisham im Morgenlicht leuchten…

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Knacks…da war doch was…

 

Morians Backskiste ist riesig. Ich kann mit meinen 190 cm aufrecht drin stehen und den Deckel zu machen. Das bedeutet auch, dass jede Menge Zeug da liegt.

Wir müssen alles ausräumen um an das Steuerungsgetriebe zu gelangen. Überall an Deck stehen die Sachen rum. Als ich den Boden sehen ist der Rest ja wohl nur noch ein Klacks…denke ich mir.

 

Um das Getriebe auszubauen muss natürlich erst mal das Gestänge demontiert werden. Die Gestänge sind mit Kardangelenken an der Achse des Gertiebes befestigt. Aber so einfach abschrauben gilt ja nicht. Als ich die beide Enden ab habe merke ich, dass das Gestänge viel zu lang ist um es nach vorne oder hinten zu schieben. So wollte ich es aus den Kardangelenken an beiden Enden des Gestänges schiebem. Und nun?…

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Jetzt wird mir erst klar, dass ich von hinten am Ruderquadranten anfangen muss, Teil für Teil abbauen muss, um dann Platz zu haben um das Gestänge am defekten Getriebe zu lösen. Auch mussen noch die Muttern der Befestigungsbolzen gelost werden. Die befinden sich genau unter dem Boiler und darunterliegenden Holzboden.

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Endlich fällt mir eine Idee ein, wie ich dran komme, ohne den Boiler zu demontieren und die Wasserschläuche abzubauen. Bis zur Wand habe ich noch eine Handbreit Plaz zwischen Boiler und Wand. Ich perforiere den Boden mit zig Löchern, die ich mit der Akkubohrmaschine bohre. Dann kann ich mit einem Beitel ein Teil des Bodens rausschlagen und siehe da…Da sind ja meine kleine Muttern, die heute nach 30 Jahren, als die Jacht gebaut wurde, zum ersten mal wieder das Sonnenlicht sehen.

Leider komme ich mit der Ratsche nicht an die Muttern. Also schön mit dem Maulschlüssel immer in 10 Grad Schritten die Muttern von den Bolzen drehen. Das hat fast eine halbe Stunde gedauert. Und das in einer total verrenkten Position mit ganz ausgestrecktem Arm. Puhh Geschafft Ich bin jetzt seit 7 Stunden dabei…

Mit ausgestreckten Armen zeige ich Mac stolz meinen Fang aus der Backskiste. Give me Five Mac.

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Und nun? Die Spannung steigt. Ich öffne das Getriebe und als erstes rasselt mir schwarzer Sand entgegen. Was soll den das? Dann kommen mir 7 Kugeln entgegen, die mal ein Kugellager gewesen sind. Nur Sieben? Wo ist der Rest? Das Fett, das mal da war ist nur noch Sand und so fest zusammengebacken wie Stein. Unglaublich!

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Als ich die Morian kaufte, bestand ich darauf, dass genau diese Getriebe repariert werden sollte. Deshalb musste ich 3 Wochen warten bis ich endlich Morian übernehmen konnte, Das Getriebe wurde in einer Werkstatt überholt. So sagte mir das der Broker De Valk in Saint Annaland. Auch habe ich die Hälfte von der Reparatur bezahlt. Die andere Hälfte hat der Verkäufer bezahlt. Die Rechnung hat der Broker mir vorgelegt. Und nun das! Nichts wurde gemacht. Oder fast nichts. Warum fehlen die Restlichen Kugeln vom Kugellager. Wo ist der Käfig vom Kugellager?. Ich schätze das Getriebe wurde auseinander genommen und die Kugeln sind versehentlich rausgefallen. Dann wusste keiner was zu machen ist. Also wurde alles wieder zusammengesetzt. Mir wurde dann gesagt, dass alles wieder funktioniert und die Rechnung präsentiert. Voila Mr. Krauss. Vielen Dank De VALK!

Hier an der Mooring kommen wir mit dem Problem nicht weiter.

Also schwingen Mac und ich uns ins Schlauchboot und wir holpern mit dem Gummidings 2 km Flussabwärts bis zu einer Werft,die wir vorher angerufen haben. Wortkarg sind die Mechaniker in Cornwall. Erst dachte ich der wäre Stumm. Ich erzählte ihm von unserm Problem und hörte keinen Ton, schnaufen oder ähnliches von ihm..Als ich fertig war nahm er das Getriebe und spannte es in einen Schraubstock ein. Jetzt endlich erzählt er was von Kugellager und so, und das er es neu bestellen müsse. Er schwingt sich ans Telefon und sagte was von Germans und Holiday. So vereinbart er, dass das neue Kugellager morgen gebracht wird. Und zwar von einem Mitarbeiter der Firma, der sowieso hier vorbei fährt, um nach Hause zu fahren. Klasse ;-). Ich mag unbürokratische Lösungen.

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Am 3 Tag konnten wir nun das reparierte Getriebe abholen und wieder einbauen.

Und was soll ich sagen. Es funktioniert! Das Steuern ist jetzt mit weniger Kraftaufwand möglich. Klasse! Ik freu mir so…

 

 

 

Ein schwerer Abschied von den Scilly’s

Wir müssen Richtung Heimat.

5 wunderschöne Tage haben wir auf den Scillys verbracht. Diese Inseln haben uns in Staunen gebracht und ihre Schönheit und Vielseitigkeit wird mir in Erinnerung bleiben.

Wir starten den Motor und umrunden die Inseln im Uhrzeigersinn. Endlich werden die Batterien wieder aufgeladen. Seit 5 Tagen gibt es keine Steckdose für das Ladegerät. Unsere 450AH Verbraucherbatterien sind auf 65% ausgesaugt. Mehr als 50% sollte man nie aus den Batterien nehmen. Das schädigt sie dauerhaft.

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Auf der Nordseite von der Insel Round Island fahren wir an einem großen Leuchtturm vorbei, der dem Seemann mit seinem Licht und Nebelsignal den richtigen Weg zeigt. Leider ist der Wind mal wieder zu schwach um zu segeln. Nur für einige Stunden brist es doch noch auf und mit Groß und Genua können wir unser Wegepunkt südlich von Lizard Point ansteuern. Newlin lassen wir aus. Dieser triste Hafen hat uns bei der Hinfahrt nicht gefallen.

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Als ich auf Wache bin kommt mir ein Segler mit Motorfahrt entgegen. Morian hatte Vollzeug drauf und segelte ihren Kurs gerade auf den Wegepunkt zu. Auf dem Entgegenkommer ist keine Person zu sehen. Er kreuzt unser Bug in 80 Meter Abstand. Jetzt sehe ich doch jemanden hinter seinem hohen Aufbau sitzen. Was soll den das?. Kann er nicht wenigstens parallel an uns vorbei fahren oder hinter unserem Heck unsere Fahrlinie queren?. Ich verstehe manche Segler nicht. Er ist Ausweichpflichtig. Aber durch seine Aktion hat er diese einfache Situation gefährlicher gemacht als sie ist. Ich wollte schon abdrehen, obwohl ich klares Wegerecht habe. Warum gibt er nicht ein klares Zeichen wie er an mir vorbei geht? Einfach mal mit dem Bug in die Richtung wedeln wo er vorbei möchte…

 

Die Überfahrt ist sehr kalt. Fogpatches begleiten uns, die feuchte Kälte kriecht uns in die Knochen. Nach 13 Stunden kommen wir kurz vor dem Dunkelwerden in Falmouth an. Wir gehen an eine Grüne Mooring, die für Besucher ausgebracht sind und verschwinden ganz schnell in die Kojen.

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Morgen Früh geht es nach Dartmouth. Diesmal wollen wir den River Dart hoch segeln und in der Natur Ankern…